08.09.2010, 11:34 Uhr
Zusammen mit seinem Vater Yakup (Erdal Beşikçioğlu) macht sich der kleine Yusuf (Bora Altaş) auf, die Bienenkörbe in den waldreichen Bergen der Schwarzmeerregion aufzustellen. (Foto: Pfiffl Medien GmbH)
Yusuf (Bora Altaş) ist acht Jahre alt. Der schüchterne Junge mit den großen braunen Augen spricht nicht gerne. Besonders schlimm ist es, wenn er in der Schule etwas vorlesen soll. Er stottert, die Sätze ziehen sich wie Kaugummi und die Mitschüler hänseln ihn deswegen. Bei ihm zu Hause ist es meistens still. Yusuf lebt mit seinen Eltern mitten in der Natur. Vor den Fenstern erstreckt sich ein tiefgrüner Wald in der Berglandschaft. Der kleine Junge weiß um die Besonderheit dieses Waldes: Hier, in der Schwarzmeer-Region im Nordosten der Türkei, ist die Heimat von außergewöhnlichen Pflanzen und Tieren. Die Bäume sind uralt und riesig groß. Der mächtige Wald scheint ein magischer Ort zu sein und Yusuf liebt es, mit seinem Vater Yakup (Erdal Beşikçioğlu) durch das endlose Grün zu wandern...
Auch ohne viele Worte versteht der liebevolle Vater seinen Sohn. Yakup ist Imker. Der schwarze Honig seiner Bienen ist selten und weltweit begehrt, man spricht ihm sogar heilende Wirkung zu. Hoch oben in den Baumwipfeln befinden sich Yakups Bienenkörbe, doch eines Tages kommt es zu tragischen Verlusten: Aus unerklärlichen Gründen sterben alle Bienen. In der näheren Umgebung gibt es keines der emsigen Insekten mehr. Yakup ist gezwungen, eine längere Reise zu unternehmen, um einige Bienenstöcke in höher gelegene Gebirgsregionen aufzustellen. Der Weg dorthin ist beschwerlich und nicht ungefährlich, doch der kostbare Honig kann lediglich noch dort gewonnen werden. Nachdem der Vater sich auf den Weg gemacht hat, wird es noch stiller in dem kleinen Holzhäuschen. Yusuf und seine Mutter Zehra (Tülin Özen) bleiben zurück und warten. Die Tage vergehen. Es regnet, dann scheint wieder die Sonne, und der Wind weht kühlende Luft über die Berge. Der Alltag und das Warten in der Ungewissheit werden für den Kleinen immer unerträglicher...
Der türkische Filmemacher Semih Kaplanoğlu vollendet mit "Bal - Honig" seine Yusuf-Trilogie ("Yumurta - Ei", "Süt - Milch", "Bal - Honig"). Hauptdarsteller Bora Altaş spielt sich bereits in den ersten Filmminuten in die Herzen der Zuschauer. Man möchte förmlich aus seinem Kinosessel aufstehen, die Leinwand durchschreiten, um den Jungen mit den großen dunklen Augen feste an sich zu drücken. Das letzte Drama der Trilogie ist, ebenso wie seine Vorgänger, ein eigenständiges Werk. Die atemberaubenden Naturaufnahmen brennen sich ins Gedächtnis. Der Filmemacher hat es geschafft, dass der Zuschauer diesen wunderbaren "Urwald" in der türkischen Provinz Rize für 103 Minuten beinahe riechen und spüren kann. Neben der ergreifenden Vater-Sohn-Geschichte ist das weltweite Bienensterben ein weiteres wichtiges Filmthema. Mit "Bal - Honig" hat sich Semih Kaplanoğlu selbst übertroffen: ein erlebnisreiches Bild- und Klangerlebnis!
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