31.03.2011, 09:42 Uhr | Volker Bonacker
Abbie Cornish, Jena Malone, Emiliy Browinng, Vanessa Hudgens und Jamie Chung (v. li.) in "Sucker Punch" (Foto: Warner)
Schulmädchen-Softerotik, Waffenfetischismus in Videospiel-Optik und Action jenseits aller Gesetze der Schwerkraft: Mit "Sucker Punch" setzt Regisseur Zack Snyder ("300", "Watchmen") erstmals eine selbst erdachte Geschichte um. Dabei bedient sich der ehemalige Musikvideo-Macher munter bei Genre-Größen von "Matrix" bis "Inception". Und scheitert grandios an den eigenen Vorbildern.
Immerhin: Die Geschichte hinter Snyders fünftem Film ist schnell erzählt. Nach dem Tod der Mutter verfrachtet der böse Stiefvater die namenlose Hauptdarstellerin (Emily Browning) in ein Sanatorium, um die junge Frau lobotomieren zu lassen. Ehe es dazu kommt, wechselt die Handlungsebene jedoch in die Phantasiewelt der Heldin. Hier ist die Irrenanstalt ein Bordell, die wehrlosen Insassinnen werden zur Prostitution gezwungen. Die bis dato unbekannte Heldin hat mit "Babydoll" nun nicht nur einen Namen, sondern sieht sich auch einer neuen Bedrohung gegenüber: Dem Besuch des "Highrollers", an den der skrupellose Bordell-Betreiber die Jungfräulichkeit der Heldin verkauft hat. Um dem drohenden Schicksal zu entkommen, schmiedet Babydoll einen Fluchtplan. Während sie einen hypnotischen Tanz aufführt, sollen ihre Mitinsassinnen vier Gegenstände stehlen: Eine Karte der Anstalt, ein Feuerzeug, ein Messer und einen Generalschlüssel. Ein fünftes, noch unbekanntes Objekt, soll danach folgen.
Hierfür springt "Sucker Punch" eine weitere Handlungsebene nach unten. Das Auffinden der Gegenstände ist jeweils eine eigene Mission - "Inception" lässt grüßen. Chronologisch finden die Trips in Babydolls Gedankenwelt im Ersten Weltkrieg, einem an "Herr der Ringe" erinnernden Fantasy-Szenario und in einer futuristischen Welt statt. So viel Abwechslung die Settings auch bieten, inhaltlich geben sich die Aufträge bieder: Babydoll und Anhang treten in die Welt ein, ballern und metzeln sich ihren Weg zu den gewünschten Objekten frei und verschwinden rechtzeitig wieder. Damit es für eine FSK-16-Freigabe reicht, hat Snyder übrigens ganze 18 Minuten aus dem Film herausgeschnitten. Wer also Splatter-Orgien erwartet, wird mit konventioneller Action enttäuscht. Vor allem an den Slow-Motion-Effekten während der Actionszenen hat man sich seit "Matrix" nun wirklich satt gesehen. So bleiben perfekt choreografierte Sequenzen, die man in den letzten Jahren in ähnlicher Weise garantiert mehr als einmal betrachten durfte.
Auch an anderer Stelle sind die Querverweise zu Actionfilmen, die mit Parallelwelt-Thematiken der Marke "Alice im Wunderland" spielen, schwer zu übersehen. Während die Realität in der Anstalt in tristen Grautönen gehalten ist, stellt sich Babydolls Phantasiewelt in leuchtenden Farben dar; aus der schwachen, verletzlichen Figur mit Rehblick wird hier eine rasende Kriegerin. Schade, dass Snyder das Girlpower-Motiv nur dahingehend inszeniert, dass er seine Heldinnen in knappest möglicher Bekleidung auftreten lässt - und damit letztlich Altmännerphantasien bedient und hoffnungslos in Geschlechter-Klischees verfällt. Wo "300" noch herrlich überzeichnete Comic-Charaktere mit markigen Sprüchen bot und "Watchmen" mit Superhelden glänzte, die allesamt gleichermaßen unsympathisch waren, schafft es Snyder in "Sucker Punch" nicht, eigenständige Charaktere zu erschaffen. Im Gegenteil: Spätestens in der Mitte des Films hat man sich an Babydolls Leidensmiene während der Feuergefechte satt gesehen und fragt sich, wohin die Reise dieser äußerst stereotypen Heldin im Faltenrock eigentlich gehen soll.
Vermutlich hat sich auch Snyder diese Frage gestellt und sie dahingehend beantwortet, einen Genre-Mix aus Samurai- und Baller-Action, Videospiel- und Comic-Ästhetik sowie einer Prise Girlpower mit bis dato unverbrauchten Darstellerinnen abliefern zu wollen. Eingebettet in eine packende Geschichte, versteht sich. Genau hier hat sich Snyder aber übernommen. Dass er unterhaltende, durchaus kurzweilige Actionfilme abliefern kann, hat er mit "300" bewiesen. Dass er auch komplexen, eigentlich als unverfilmbar geltenden Nerd-Stoff auf die Leinwand bringen kann, hat "Watchmen" gezeigt. Nur eine Mischung aus beidem, wie sie "Sucker Punch" werden sollte, will Snyder nicht gelingen. Es bleiben 109 Minuten mit durchaus ansehnlichen, aber leider in der Machart zu konventionellen Actionszenen und Heldinnen, denen es an allen Ecken und Enden an Eigenständigkeit mangelt. Sollte es Synders Absicht gewesen sein, fehlenden Inhalt durch sexy Outfits wett zu machen, sei dem Regisseur immerhin in diesem Punkt durchschlagender Erfolg beschieden.
Kinostart: 31. März 2011
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Quelle: t-online.de
ch schrieb:
am 5. April 2011 um 20:53:22
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Dafür wird Popcorn gemacht ;-)
Dämliche Kritik. Natürlich ist der Film schlecht, wenn man danach deutsch-betroffen sein will. Für alle
anderen: geiler Film mit Zeug zum Kultstreifen. Ästhetische Bilder, tolle Farbe, toller Soundtrack! Sucker Punch ist der Flm, für den Popcorn erfunden wurde ;-)
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Jones schrieb:
am 31. März 2011 um 15:14:02
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voll jugendfrei
... mal davon abgesehen, dass er eh ab 16 freigegeben ist und auch ordentlich zerschnitten wurde dafür ^^
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Phil schrieb:
am 31. März 2011 um 15:04:33
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Sucker Punch polarisiert
"Inhaltslos, primitiv und dumm-vorhersehbar" finde ich als Beschreibung zu hart. Klar ist, dass dieser Film nicht
gerade die Niveauvollsten Synapsen im Gerhin ansteuert. Fakt ist aber, dass viele unter 16 Jahren diesen Film nicht verstehen werden, da viele Sprünge von Realität, zur Wunschrealität zur nächsten Wunschrealität herrscht. Das würde (leider) die meisten unter 16 überfordern, zumal man über manche Dialoge nur lächeln kann wenn man doch was in der "Birne" hat (z.B. der Sandkastendialog)
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