24.02.2010, 16:14 Uhr | jho
"Geh nicht hin, wenn du von Herzen Musiker bist und selbst Songs schreibst und geh nicht hin, wenn du reich und berühmt werden willst." Martin Kesicis Rat an potenzielle Castingshow-Bewerber ist eindeutig. Dabei war der 36-Jährige selbst Gewinner einer solchen Sendung. 2003 ging er als Sieger aus der Sat.1-Show "Star Search" hervor. Und lernte somit auch die Schattenseiten des Geschäfts kennen. "Man ist wie ein Roboter. Man funktioniert nur noch", sagt er im Interview mit t-online.de. Ständig würden einem Leute von der Plattenfirma oder der TV-Produktion sagen, was zu tun sei. "Und wirst du krank, wenn du ein Video drehen sollst, raten sie dir, dir eine Kortisonspritze verpassen zu lassen." Gemeinsam mit Markus Grimm, der als Mitglied der "Popstars"-Castingband Nu Pagadi ganz ähnliche Erfahrungen sammelte, hat Kesici deshalb das Buch "Sex, Drugs & Castingshows" geschrieben. Darin werfen sie einen persönlichen und schonungslosen Blick hinter die Kulissen der Castingshows. Was sie deren Machern vorwerfen, warum die Sieger keine langfristigen Erfolgschancen haben und weswegen Mark Medlock eine kleine Ausnahme bildet, verraten beide im t-online.de Interview.
"Sex, Drugs & Castingshows" Interview mit Martin Kesici und Markus Grimm
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Das Buch soll Warnung und Abrechnung zugleich sein, so Kesici, der mit "Angel Of Berlin" einen Nummer-eins-Hit hatte und zwei Alben veröffentlichte. Gerne hätten er und Markus Grimm (30), dessen Band Nu Pagadi mit "Sweetest Poison" ebenfalls einen Nummer-eins-Hit hatte, mit Tobias Regner auch einen ehemaligen DSDS -Kandidaten als Autor gewonnen. Doch der sagte ab. Es könne seiner Karriere schaden, so Regners Begründung. Dafür schrieb der Vater von Annemarie Eilfeld, die bei der letzten DSDS-Staffel als Zicke verschrien war, einen Gastkommentar. Aber auch ohne DSDS-Teilnehmer gewähren Kesici und Grimm einen interessanten Blick in das Innere der Castingmaschinerie - nennen Summen, präsentieren Verträge und offenbaren Machenschaften.
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Den größten Vorwurf erheben Kesici und Grimm aber gegen das Verhalten der Plattenfirmen. Es bestehe kein Interesse an einem langfristigen Aufbau der Künstler, so Kesici. Und Markus Grimm meint: "Kaum hat einer gewonnen, muss er schon zur Suche seines Nachfolgers aufrufen. Die Leute werden einfach nur verheizt." Mit dem Ideal, als Sieger einer Castingshow könne man viel Geld verdienen, räumen die beiden vollkommen auf. "Das Geld verdienen nur die Urheber der Lieder. Das ist bei Castingstars aber nie der Fall." Es gehe lediglich um das Produkt, der Künstler sei zweitrangig, so Grimm. So verdienten die vier Nu-Pagadi-Mitglieder in den neun Monaten des Bestehens ihrer Band zusammen 46.000 Euro. Abzüglich der Gebühren für Management, Videodrehs, Flüge, Hotels und anderer Kosten.
Heute haben sich Martin Kesici und Markus Grimm von der großen Leere, in die sie nach dem Ende ihrer Karriere als Castingstars gefallen waren, erholt. Martin Kesici will Ende 2009 sein drittes Album veröffentlichen. Markus Grimm ist dabei, sich als Autor zu etablieren. So schreibt er Liedtexte für andere Künstler und hat in dem Buch "Grimms Märchen Reloaded" die Geschichten seiner berühmten Namensvettern in die Gegenwart übertragen.
jho
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