11.10.2011, 16:57 Uhr | kranki
Der neue Film des provokanten Dänen ist ein Lobgesang auf die Vergänglichkeit.
Justine (Kirsten Dunst) und Michael (Alexander Skarsgård) feiern ihre Hochzeit mit einem glanzvollen Fest auf dem Landsitz, der Justines Schwester Claire (Charlotte Gainsbourg) und deren Mann John (Kiefer Sutherland) gehört. Trotz einiger kleiner Pannen im geplanten Ablauf gibt es eigentlich nichts, was die Laune des jungen Glücks und ihrer Festgäste beeinträchtigen kann. Bis auf die seltsamen Stimmungsschwankungen der Braut. Im Lauf des Tages irritiert das sonderbare Verhalten Justines zunehmend die geladene Gesellschaft und gibt schließlich Grund zu ernster Sorge. Was nämlich mit befremdlichen Allüren und nervigen Marotten seinen Anfang nimmt, wächst sich im Laufe des Tages zu den Vorboten einer handfesten Depression aus.
Keiner kann sich erklären, welcher Anlass die Braut in ihr Seelentief stürzen ließ. Ebenso ahnt keiner von ihnen, welches Schicksal der gesamten Menschheit droht. Noch ist der Planet Melancholia nur ein rotglühender Stern am Himmel, der im Morgengrauen rasch verblasst. Lediglich Michael begreift während der Stunde der Dämmerung, dass seine ihm frisch angetraute Gattin mit dieser Hochzeit einen verhängnisvollen Fehler begangen hat...
Zwischenzeitlich nähert sich der todbringender Planet, dessen Aura wie eine Vorahnung die unglückliche Braut streifte, seinem errechneten Ziel: In fünf Tagen wird der große Himmelskörper in die Umlaufbahn der Erde geraten und diese wahrscheinlich zerstören. Anlässlich dieser Horrormeldungen beginnt ein hektischer Wettlauf auf dem Landsitz. Während John ganz pragmatisch Sicherheitsvorkehrungen trifft und die Lage wissenschaftlich zu analysieren versucht, kann Claire ihre Panik nicht mehr bändigen. Einzig Justine ist nun von unerschütterlicher Ruhe, als sehne sie den Untergang herbei...
Der dänische Filmemacher Lars von Trier ("Antichrist") gilt als einer, der sich was traut. Sein Hang, sich öffentlich als Provokateur zu betätigen, bescherte ihm sogar als erstem Teilnehmer den offiziellen Status einer "persona non grata" bei der Leitung der Filmfestspiele in Cannes 2011. Mit seinem bildgewaltigen Endzeitdrama "Melancholia" beweist der Regisseur und Drehbuchautor einmal mehr, dass er gerne gegen den Strom schwimmt, denn auch sein aktueller cineastischer Frontalangriff auf die Urängste der Menschheit zeichnet sich wieder durch den Mut zum Unkonventionellen aus: Ähnlich einem Memento-Mori-Tableau enthüllt sich im Motiv des Untergangs die morbide Schönheit allen weltlichen Genusses. Stilsicher zelebrieren Kirsten Dunst ("Spider-Man"), Charlotte Gainsbourg ("Antichrist") und Kiefer Sutherland ("24") ihre seelischen Abgründe.
Kinostart: 6. Oktober 2011
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Quelle: t-online.de
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