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Markus Lanz im Interview: "Nichts als gefährliches Halbwissen!"

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"Nichts als gefährliches Halbwissen!"

01.06.2009, 11:38 Uhr | SaWo

Markus Lanz (Foto: dpa)Markus Lanz (Foto: dpa)t-online.de:Herr Lanz, Sie moderieren gemeinsam mit Guido Knopp das "ZDF-Geschichts-Quiz". Wie steht’s um Ihre eigene Geschichtsbildung?

Markus Lanz: Nichts als gefährliches Halbwissen! An guten Tagen gelingt es mir manchmal, den Eindruck zu erwecken, ich wüsste das eine oder andere, um dann bereits im nächsten Augenblick wieder ins Bodenlose zu stürzen. So geht es, glaube ich, ganz vielen Leuten. Es scheint so zu sein, dass man erst nach dem Ende der Schule anfängt, sich intensiver mit Geschichte zu beschäftigen - was sehr schade ist. Ich habe mich gefragt, ob das vielleicht auch etwas mit der Art der Geschichtsvermittlung in der Schule zu tun hat? Denn grundsätzlich hat Geschichte ja immer mit Geschichten zu tun, mit zum Teil höchst spannenden Geschichten, und ich merke, wie sehr sich Kinder dafür interessieren, wenn man anfängt, ihnen davon zu erzählen. Die saugen ja alles auf, was eine gute Geschichte ist.

t-online.de: Haben Sie Lust auf eine kleine Testfrage? Wir geben auch die Antworten vor.

Markus Lanz: Jetzt aber!

t-online.de:Welche dieser historischen Persönlichkeiten sind sich zu Lebzeiten begegnet:

a) Kleopatra und Hannibal
b) Kaiserin Sissi und Katharina die Große
c) Goethe und Napoleon

Markus Lanz: Hannibal war zwar in Nordafrika unterwegs, aber deutlich früher als Kleopatra. Würde ich also ausschließen. Katharina die Große kam aus Holstein und Elisabeth aus Bayern. Insofern könnte es durchaus sein, dass die sich begegnet sind. Napoleon war ab 1800 dominierend in Europa, Goethe war ein bisschen später viel auf Reisen, oder? Sie könnten sich auch begegnet sein. Ich lege mich fest: Sissi und Katharina.

t-online.de:  Wir lösen auf: Es waren Goethe und Napoleon! (1808 in Erfurt, Anm. d. Red.)

Markus Lanz: Arhh! Zahlen, Zahlen, Zahlen...?

t-online.de: Erwarten denn die Kandidaten in Ihrer Sendung ähnliche Fragen?

Markus Lanz: Auf jeden Fall. Das war eine richtig schöne Frage, die könnte man für die Sendung so übernehmen.

t-online.de: Seit Jahren raunen die deutschen Feuilletonisten, das heutige Fernsehen verdumme die Gesellschaft. Stichwort: Unterschichtenfernsehen. Ist da was dran?

Markus Lanz: Das ist Teil dieses Kulturpessimismus, der in Deutschland gelegentlich Raum greift - ich teile diese Einschätzung nicht. Wer jemals im Ausland unterwegs war, der lernt deutsches Fernsehen sehr zu schätzen, es gibt kein besseres. Wir haben mindestens 30 Fernsehkanäle und wann immer Ihnen irgendwo etwas nicht passt, können Sie doch einfach umschalten. In aller Regel finden Sie zu fast jeder Tages- und Nachtzeit irgendwo irgendwas, was Ihnen wirklich gefällt. Das Zweite ist, dass wir dazu neigen, Fernsehen in seiner Bedeutung zu einer Art Ersatzreligion hoch zu stilisieren. Das ist es aber nicht, das kann es auch nicht sein. Fernsehen ist per se ein eher oberflächliches Medium, das muss man einfach mal zur Kenntnis nehmen. Wenn Sie Dinge und Zusammenhänge wirklich verstehen wollen, dann müssen Sie eine seriöse Zeitung nehmen und darin lesen - oder besser noch ein Buch. Diese Bedeutungshuberei in Bezug auf das Fernsehen hat vielleicht auch damit zu tun, dass wir merken: An den Papst können wir nicht mehr richtig glauben, an die Deutsche Bank können wir aber auch nicht glauben - das haben wir ja gerade gelernt. Bleibt also die Frage: Woran denn dann? Vielleicht an Dieter Bohlen und sein Fernsehen? Das funktioniert auch nicht. Aber das können wir dann doch nicht Dieter Bohlen zum Vorwurf machen! Er hat doch nie von sich behauptet, dass er zum Religionsstifter taugt.

t-online.de:Haben Sie den Anspruch, mit der Sendung das Allgemeinwissen zu verbessern oder ist es reines Entertainment?

Markus Lanz: Ich denke, es geht irgendwie um beides. Einerseits brauchen Sie einen gewissen Anspruch - allein schon deshalb, weil es Guido Knopp und seine Leute sind, die das inhaltlich verantworten. Auf der anderen Seite aber ist es wichtig, dass man nicht - wie Guido Knopp so schön sagt - in die Bedeutungsfalle tappt. Sie müssen die Sendung schon so populär gestalten, dass es auch einen Großteil der Zuschauer interessiert. Wenn sie da nur spezielles Faktenwissen abfragen, dann kriegen Sie um 20.15 Uhr nicht die Menge Zuschauer, die Sie brauchen. Das wäre dann eine Geschichte, die irgendwann nur noch Historiker interessierte.

t-online.de: Die Show ist getragen von der Idee der Gegenüberstellung gesellschaftlicher Kontrastgruppen. In der ersten Sendung geht es um Berliner gegen Bayern. Was ist Ihr Tipp - wer hat mehr auf dem Kasten und warum?

Markus Lanz: Ich habe mittlerweile gelernt, dass man mit Klischees und Vorurteilen aufpassen muss. Auf den ersten Blick scheint es ja so zu sein, dass die Bayern dieses hervorragende Bildungssystem haben und am Ende besser dastehen werden. Das muss sich dann aber nicht zwangsläufig in dem Sendungsergebnis widerspiegeln.

t-online.de: In der ersten Sendung treten Barbara Schöneberger und Thomas Hermanns gegen Ulrike Kriener und Waldemar Hartmann an. Hand auf’s Herz: Welchen deutschen Promi würden Sie gerne mal auf Herz und Nieren nach seinem Geschichtswissen abklopfen?

Markus Lanz: Mit denen, die Sie da nennen, kann ich wunderbar leben. Ich habe mich sehr über diese Konstellation gefreut. Guido Knopp würde ich aber auch gerne mal befragen. Denn Matthäus, der Fußballer, ist ihm weniger geläufig als Matthäus, der Evangelist. Insofern sollte man für ihn möglichst viele Fußballfragen einbauen (lacht).

t-online.de: Immer wieder werden Sie in den Medien mit Ihrem Moderatoren-Kollegen Johannes B. Kerner verglichen. Ganz ehrlich: Geht Ihnen das manchmal auf die Nerven?

Markus Lanz: Ja. Und zwar nicht, weil es um Johannes geht, den ich sehr schätze und dem ich freundschaftlich sehr verbunden bin, sondern weil so ein Vergleich einfach nie wirklich passt. Wohin soll das führen? Ich bin weder Johannes B. Kerner, noch ist er in irgendeiner Form ich. Wir sind da schon fast bei Richard David Precht: "Wer bin ich - und wenn ja wie viele?" Es geht doch darum, seinen eigenen Stil und das eigene Profil zu finden und den eigenen Weg zu gehen. Johannes hat das alles hervorragend hingekriegt, und jetzt geht es für mich darum zu schauen, wohin mein Weg führt.

t-online.de: Zum Schluss: Weshalb sollte man sich das "ZDF-Geschichts-Quiz" auf jeden Fall ansehen?

Markus Lanz: Es ist doch so: Sie haben alle Folgen von "CSI Miami" schon zweimal gesehen (läuft parallel zum Quiz bei RTL, Anm. d. Red.), insofern ist das schon mal ein Grund bei uns vorbeizuschauen. Der zweite Grund: Es ist ein großer Spaß - nicht unwichtig, wenn Sie gerade einen harten Tag hinter sich gebracht haben. Und, drittens: Sie können tatsächlich auch was lernen. Das ist doch was, oder?

t-online.de: Vielen Dank für das Gespräch.


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