28.10.2011, 11:12 Uhr | Tobi Weil / Intro
Metallica und Lou Reed präsentieren ihr Album "Lulu". (Quelle: Anton Corbijn / Universal Music)
Für die vielleicht ungewöhnlichste Zusammenarbeit des Jahres sorgen dieser Tage Velvet-Underground-Veteran Lou Reed und die Heavy-Giganten Metallica. Ihr gemeinschaftliches Projekt soll literarisch-künstlerischen Anspruch mit musikalischer Kompromisslosigkeit vereinen. Vorab sei verraten: "Lulu" ist keine leichte Kost.
Im Vorfeld sorgte die Ankündigung der Kooperation zwischen Metallica und Lou Reed für Ungläubigkeit in beiden Fan-Lagern. Was zunächst als Neuinterpretation unveröffentlichter Songs von Reed angedacht war, wurde schließlich zu einer Art Konzeptalbum mit literarischer Vorlage. Komponiert hatte Reed die zehn Stücke ursprünglich für eine Theaterproduktion, die von den Texten des deutschen Dramatikers Frank Wedekind inspiriert, die sexuellen wie gewalttätigen Ausschweifungen von Protagonistin Lulu dokumentieren. Seiner Uraufführung in Berlin folgend, kommt nach dem Theater nun die Metallica-Interpretation als Album.
Entsprechend drastisch fällt auch die Neuinterpretation aus. Das Cover ziert der Torso einer unheimlich anmutenden Ankleidepuppe, der blutverschmierte Schriftzug des Albumtitels kündet ebenfalls von wenig Harmonie. Ähnlich explizit geht es auch textlich zur Sache: Lyrics wie "I would cut my legs and tits off" bedienen eine Poesie, deren Dringlichkeit zusammen mit der unbarmherzigen Härte von Reeds Stimme zunächst sicherlich polarisiert. Jedoch: Recht schnell stellen sich beim Hören erste Ermüdungserscheinungen ein. Statt Rock-Symbiose findet hier eher ein Rezitationsabend mit Rock-Begleitung statt.
Reeds Gesangsbeitrag gleicht am ehesten einem grollenden Redefluss, der beinahe unfreiwillig ungeschickt zu den sich gnadenlos in die Länge ziehenden Riffs vorgetragen wird. Ohne Rahmen und Halt wabern die rauen Tracks vor sich hin und scheinen keiner erkennbaren Struktur zu folgen. So haftet den zehn Songs auf "Lulu" trotz des unbestreitbaren Ruhms aller beteiligten Musiker etwas unfertig-amateurhaftes an. Die Umsetzung der zweifellos spannenden Idee will nicht recht gelingen und so wird "Lulu" sicherlich keinem der beteiligten Künstler wirklich gerecht.
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Quelle: t-online.de
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