16.09.2010, 16:15 Uhr | Birgit Aßmann
Michael Hirte gewann die erste Staffel von "Supertalent". (Foto: dpa)
Er musizierte sich beim „Supertalent 2008“ Woche für Woche in die Herzen der Zuschauer von RTL und sorgte für eine Menge Schlagzeilen: Michael Hirte, der wohl bekannteste Hartz IV-Empfänger Deutschlands. Er hatte sich mit seiner Mundharmonika bisher in der Fußgängerzone ein paar Groschen dazu verdient - nun ist er als „Supertalent 2008“ ein Star. Und er ist um ganze 100.000 Euro reicher.
Als der Moderator Marco Schreyl endlich den Gewinner verkündete, folgten großer Jubel, tiefe Emotionen und sogar ein paar Tränchen bei den beiden Jury-Mitgliedern Bruce Darnell und Sylvie van der Vaart. Einem weiteren Juror dürfte bei Bekanntgabe des Gewinners ebenfalls ein Stein vom Herzen gefallen sein. Denn Dieter Bohlen hatte kurz vor Entscheidung noch groß getönt: „Wenn Micha es nicht wird, ess’ ich diese Jacke auf“. Schade eigentlich, denn diesen schwer verdaulichen Happen hätte man dem Dieter sehr gegönnt – daran hätte er sich wohl seine blank polierten Beißerchen ausgebissen.
Kevin Kalvus, Marcel Pietruch, Carlos Fassanelli und all die anderen Finalisten warteten wie gebannt auf die Bekanntgabe des Gewinners. Doch wie bei diesen Casting-Shows mittlerweile üblich, dehnte der gewiefte Moderator die letzten Minuten wie einen Kaugummi – und der kann verdammt dehnbar sein. Nervtötendes Gelaber des Moderators reizte die Geduld des wissbegierigen Zuschauers bis aufs Letzte aus, bis Schreyl endlich den Namen „Michael Hirte“ über seine Lippen brachte. Und seine „Ehrenrunde“ dreht der Mann mit der Mundharmonika mit dem Lied „Stille Nacht“ – genauso, wie es sich Dieter Bohlen vor wenigen Wochen von Hirte gewünscht hatte: „Wenn Du im Finale stehst und gewinnst, will ich „Stille Nacht“ von Dir hören“. Und er bekam es zu hören. Mit unglaublichem Gefühl entlockte Hirte seinem Instrument gefühlvolle Klänge, die jedem einen wohligen Schauer über den Rücken laufen lassen musste. Und damit zauberte er sogar dem harten Dieter Bohlen ein seliges Lächeln ins Gesicht.
Als Gast des Abends konnten die Moderatoren Marco Schreyl und Daniel Hartwich den „Super-Bauern“ Heinrich in Köln begrüßen. Mitten im Publikum hatte der einsame Landwirt Platz genommen. Und es dauerte natürlich nur wenige Minuten, bis Hirte Heinrich sein Schäferliedchen anstimmte und dabei wurde mal wieder klar: Ein Supertalent ist an diesem Landwirt nicht verloren gegangen – also keine Konkurrenz für die tanzenden, singenden oder jonglierenden Kandidaten. Und die gaben an diesem Abend wieder ihr Bestes. Kevin Kalvus jonglierte mit verbundenen Augen seine Glaskugeln über die Schultern, der zehnjährige Marcel zeigte seinen grandiosen Hüftschwung beim Hip-Hop und Vanessa Krasniqi begeisterte mit ihrer glockenklaren Stimme. Auch wenn sie nicht von den Zuschauern zum aktuellen Supertalent gekrönt wurde – sie hatte auf jeden Fall bewiesen, dass sie wohl tatsächlich die beste 14-jährige Sängerin in Deutschland ist. Davon ist zumindest Bohlen fest überzeugt.
Mit Lob wurde beim Supertalent-Finale nicht gegeizt. Egal ob sich Shinouda Ayad grade 200-mal um sich selbst gedreht hatte oder der junge Lukas Wecker voll Inbrunst seine Fiedel bearbeitete. Es hagelte nach jedem Auftritt eines Talents Komplimente ohne Ende. „Du bist eine Talent“, „Du bist ein Star“, “Ich bin beeindruckt, das war einzigartig und wunderschön“ – das sind nur einige Beispiele, wie die Jury die Kandidaten nach ihren Auftritten in den Himmel lobten. Doch das letzte Wort hatten die Zuschauer, die sich offenbar die Finger wund gewählt hatten und Michael Hirte endgültig zum Sieger dieser Supertalent-Staffel kürten. Und von nun an wird das neue Supertalent wohl nicht mehr für ein paar Münzen die Leute in der Fußgängerzone mit seiner Mundharmonika beglücken, sondern ganze Säle mit Fans füllen. So kann sich das Blatt wenden – wenn aus einem Niemand plötzlich das "Supertalent 2008" wird.
Birgit Aßmann
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