15.03.2010, 16:25 Uhr | bas
Die „Faust der Schlagers“ – so heißt Ihr neues Buch. Beschreiben Sie ihr Buch bitte kurz mit eigenen Worten.
Der Wendler ist ja ohnehin eine Parodie auf den deutschen Schlager. In den letzten drei Jahren habe ich so viel erreicht und habe die Aufmerksamkeit wieder auf den deutschen Schlager gelenkt. Das hat vor mir noch keiner geschafft. Vor allem bei den Jugendlichen, das ist ja eine Zielgruppe, die ist uns total verloren gegangen. Ich selbst habe mir oft genug den Finger in den Hals gesteckt, wenn ich an den deutschen Schlager gedacht habe. Und seit es den Wendler gibt, fluppt das auch. Seitdem sind die ganzen Jugendlichen bei meinen Events und schreien alle kräftig meine Songs mit. Die neue Generation ist da, der Wendler ist eine extreme Schlagerbelebung und alle anderen Künstler können dadurch eigentlich nur profitieren. Also angegriffen braucht sich keiner durch das Buch fühlen. Es ist nur ein Spiegel, den ich da vorhalte – subjektiv natürlich. Die Geschichte handelt über mich und meinen Weg, den ich gegangen bin, von der Kindheit an. Und alle, die mir freundlich und menschlich, nach meiner Meinung nach, einwandfrei gegenüber getreten sind, werden in dem Buch auch dementsprechend dargestellt. Und alle, die eben „Arschlöcher“ sind, werden auch ganz klar deklassiert. Und darum ging es mir eigentlich auch: Dass man erkennt, dass diese ach so schöne, heile Schlagerwelt doch keine ist. Ich habe sogar ein Nacktfoto in meinem Buch drin. Aber nicht, weil ich mich für so geil empfinde. Ich will darlegen, dass ich mit dem Buch alles gegeben habe und gezeigt habe, was man nur zeigen kann. Ich habe auch kein Sixpack in dem Buch, sondern eher ein Schwabbelpack. Aber das ist mir auch völlig egal. Ich bin ich und ich schäm mich natürlich nicht für mich. Ich liebe mich. Und das will ich auch damit signalisieren: Man kann noch Schwächen haben ohne Ende und körperliche Defizite und trotzdem kann man sich lieben. Und um diese Botschaft geht’s mir auch.
Welches ist Ihr Lieblingskapitel in Buch?
Ich arbeite sehr exzessiv meine Kindheit auf. Das umschreibt auch, warum ich der bin, der ich bin, warum ich so extrem kämpfe und warum ich dieses Verhältnis zu meinem Vater habe. Alle Leser werden wahrscheinlich mit dem Kopf nicken und sagen „ach so, deswegen“. Das ist ein ganz wichtiger Lebensabschnitt, den jeder von uns hat. In der Kindheit werden wir geprägt und wir entwickeln uns aufgrund dieser Eindrücke. Deswegen werden wir zu den Erwachsenen, die wir jetzt sind. Deswegen ist Kindheit so unglaublich wichtig und wenn man irgendwelche Verluste erleidet oder Ängste hat, dann hat man die auch als Erwachsener. Und da versucht man gegen zu steuern.
Wann kamen Sie auf die Idee das Buch zu schreiben? Gab es einen besonderen Anlass?
Ja, vor drei Jahren habe ich angefangen das Buch zu schreiben und das sollte ja auch schon letztes Jahr erscheinen. Aber die Verlage haben sich ein bisschen schwer getan. Sie fanden den Wendler zwar alle toll, aber so interessant ist dein Leben dann doch wieder nicht, als dass da am Markt ein Bestseller platziert werden könnte. Und dann sollte ich einfach meine Eindrücke beschreiben, die ich in der Schlager-Szene gesammelt habe. Und dann fing das auch an medial interessant zu werden: „Endlich packt mal einer aus. Und wenn einer das darf, dann der Wendler“. Was passiert da tatsächlich hinter den Kulissen der Schlager-Szene? Was wird wirklich gedacht, geredet und welche Eindrücke hat der Wendler von einigen Persönlichkeiten? Und das Ganze hat dann erst die Schärfe an diesem Buch ausgemacht. Wahrscheinlich wäre der Titel früher gewesen: „Kuschelig, der Wendler kommt“ oder „Auf Schmusekurs mit dem Wendler“. Aber jetzt ist es „Die Faust des Schlagers“ geworden.
Warum haben Sie die Doku-Soap „Der Wendler-Clan“ gedreht?
Der Hype um diese Soap ist extrem groß gewesen. Diese Soap war auch einmalig in Deutschland. Denn wer macht schon das, was Michael Wendler macht? Da gibt es keinen in Deutschland, der sein Vermögen zur Schau stellt. Weil alle Angst haben, dass sie ihr Image verlieren. Es bedeutet ja auch sehr viel Mut so etwas zu machen, aber darauf ging in der Kritik um die Soap keiner ein. In Deutschland werden die Selbstbewussten vernichtet und die Bescheidenen gefördert. Aber warum kann man nicht einfach mal stolz darauf sein, was man erreicht hat. Die Leute sollten das zu würdigen wissen, wenn man den Mut hat, so was zu zeigen. Es ist ja auch eine sehr interessante Sache so intim in das Leben eines Prominenten hineinzublicken. Und meine Fangemeinde ist gewachsen – so viel verkehrt gemacht habe ich damit nicht. Ich glaube allerdings, dass das einmalig bleiben wird. Ich für meinen Teil habe jetzt alles getan, um mich zu präsentieren und mein Privatleben dementsprechend veröffentlicht. Dabei gibt es so viele Anfragen von Fernsehsendern, die gerne eine Doku-Soap mit mir drehen würden. Alle wollen wissen, wie geht’s weiter auf der Ranch, wann kommen die Pferde, wie wird der Umzug? Für uns stand aber von vornherein fest, dass es keine Verlängerung geben wird und dass wir uns nach dieser Geschichte auch privat zurückziehen werden. Es wird in Zukunft nur noch auf die Musik gesetzt, so wie es die Fans von mir erwarten. Ich glaube, man sollte den Bogen nicht überspannen. Denn irgendwann stecken sich die Leute den Finger in den Hals, wenn sie an Michael Wendler denken. Darum muss man rechtzeitig aussteigen, und das tue ich.
Was ist aus dem kleinen Schweinchen aus der Doku-Soap geworden?
Das ist kein Mini-Schwein, wie wir es eigentlich gedacht haben. Es ist wirklich eine Sau geworden, so groß wie ein Wohnzimmertisch. Und wir haben es dann den Schwiegereltern geschenkt, die sich sehr darüber gefreut haben. Es lebt jetzt bei denen.
Sie sind am 19. März bei Stefan Raabs Wok-WM dabei. Freuen Sie sich schon auf die Abfahrt durch den Eiskanal?
Eigentlich bin ich sehr ängstlich. Und wenn es nach meiner Frau geht, dann müsste ich eigentlich zu Hause bleiben. Es ist ja doch schon ein enormes Risiko, sich da mit so einer Wok-Pfanne da runter zu stürzen. Und ich habe mir gesagt: Ich fahr da hin, guck mir das an und fahr einmal runter. Und wenn ich glaube, das bricht mir das Genick, dann werde ich eben nicht am Wettbewerb teilnehmen. Aber mir bestätigen alle, dass das total viel Spaß machen würde, und wenn man einmal runter gefahren ist, man sofort wieder runter fahren möchte. Und davon will ich mich jetzt selber überzeugen. Ich konnte dem Stefan ja auch nicht absagen. Er hat mich persönlich drum gebeten zu kommen.
Haben Sie noch große Ziele in ihrem Leben?
Ein ganz, ganz großer Wunsch ist es, den Echo zu gewinnen. Eigentlich müsste ich den Echo direkt für mein Lebenswerk bekommen, finde ich. Dann würde ich auch versprechen, mich recht bald zurückzuziehen, dann hätten alle die Ruhe vor Michael Wendler. Also den Echo in den Händen zu halten wäre schon ein großer Traum von mir, aber ich habe natürlich sehr viel starke, weibliche Konkurrenz. Die Echos im Schlagerbereich teilen sich Helene Fischer und Andrea Berg. Andrea Berg kommt aus dem gleichen Hause wie ich und ist die erfolgreichste Schlagersängerin der Sony Ariola und ich bin der erfolgreichste Schlagersänger bei Sony. Aber Andrea Berg ist eben als weiblicher Bonbon noch ein bisschen erfolgreicher als Michael Wendler. Und das tut natürlich total weh, wenn sie mir da den Echo vor der Nase wegschnappt. Ich hoffe drauf, dass ich mal ein ganz gutes Jahr habe und sie vielleicht mal ein schlechteres, damit ich so einen Echo gewinne. Das wäre für mich die größte Auszeichnung, die man sich vorstellen kann. Es ist und bleibt die Hauptauszeichnung im Musikgeschäft. Es ist ja ein Fanpreis – daher wäre das für mich ein ganz großer Wurf. Ich setze alles darauf für 2011, den Echo mit meinem neuen Album „Jackpot“ zu gewinnen. Bis ich 40 bin, muss ich meinem Traum, dem Echo, näher sein.
Vielen Dank für das Interview!
bas
Gerhard schrieb:
am 16. März 2010 um 15:44:22
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Schlagerstar
Wendler ist das schlimmste, was dem deutschen Schlager passieren konnte. Einen Echo für so etwas? Nein danke!
Wenn es für so
etwas den Echo gibt, was hätte dann Peter Maffay verdient???
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Swetti schrieb:
am 16. März 2010 um 11:03:48
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Super
Ich freu mich schon riesig auf Michas Buch.Er ist und bleibt der Größte.Michas Fans stehen hinter ihm egal was andere über ihn denken.
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Lilo schrieb:
am 16. März 2010 um 10:34:55
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Selbstdarsteller
Vielleicht sollte man sich selbst nicht soooo wichtig nehmen, dann klappt es auch mit der Akzeptanz durch die Aussenwelt.
Denn andere arbeiten auch hart für ihren Erfolg ohne sich öffentlich darzustellen. Peinlich!
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