27.10.2008, 13:44 Uhr | CK/dpa
Mirja Boes ist nun offiziell die beste Komikerin im ganzen Land. (Foto: dpa)Gut, dass Marcel Reich-Ranicki das nicht erleben musste: Wenn er schon die Gala des Deutschen Fernsehpreises niveaulos fand, was würde er wohl zur Verleihung des Deutschen Comedypreises am Freitagabend sagen? Menschen kosten Katzenfutter oder versuchen, sich möglichst viele Münzen in die Unterhose zu stopfen. Dazu immer mal wieder eine neue umgangssprachliche Bezeichnung für primäre und sekundäre Geschlechtsorgane und dazwischen viel "Scheiße".
Immerhin - zwischendurch wurde auch mal der ein oder andere Preis verliehen. Die größten Gewinner des Abends waren dabei Mirja Boes und Michael Mittermeier, die jeweils als beste Komikerin und bester Komiker ausgezeichnet wurden. Doch auch der nicht gerade für feinsinnigen Humor bekannte Mario Barth und die sehr derbe ProSieben-Reihe "Elton vs Simon" ("Wer kann am längsten Porno schauen, ohne eine Erektion zu bekommen?") sahnten Preise ab - Barth zum vierten Mal in Folge als bester Live Act, "Elton vs Simon" als beste Comedyshow. Wer sonst noch alles eine Trophäe mitnehmen durfte, erfahren Sie in unserer Foto-Show!
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"Switch Reloaded"-Star Michael Kessler nahm gleich zwei Preise mit nach Hause. (Foto: dpa)Den Preis als beste Comedyserie trug die RTL-Arzt-Serie "Doctor's Diary" davon und "Switch Reloaded" wurde zur besten Sketchcomedy gekürt. Besonderen Grund zur Freude hatte Michael Kessler aus der "Switch Reloaded"-Crew: Der Comedian, der den meisten Zuschauern besser als penetrant gut gelaunter Florian Silbereisen oder griesgrämiger Bürohengst Adolf Hitler bekannt sein dürfte, wurde außerdem als bester Schauspieler ausgezeichnet. Beste Schauspielerin ist nach dem Urteil der Fachleute Nora Tschirner aus dem Til-Schweiger-Film "Keinohrhasen". Zum besten Newcomer wurde Olaf Schubert gekürt, während der Ehrenpreis an Hugo Egon Balder ging. Im Gegensatz zu Reich-Ranicki bei der Deutschen Fernsehpreisverleihung nahm der Comedy-Veteran den Preis übrigens auch an.Foto-Show "Keinohrhasen"
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Reich-Ranickis TV-Schelte ist überall ein Thema - auch beim Comedypreis wurde darüber gelästert. (Foto: dpa)Anspielungen auf Reich-Ranicki und den Deutschen Fernsehpreis waren bei der RTL-Gala fester Programmbestandteil. So witzelte Kabarettist Dieter Nuhr, der die elfte Verleihung des Comedypreises moderierte, schon zu Beginn: "Ich bin zuversichtlich, dass der eine oder andere seinen Preis annehmen wird." Aber er übte auch augenzwinkernde Kritik am TV-Programm: "Das Fernsehen hilft uns, den Verstand zu verlieren", sagte Nuhr. Das TV erinnere ihn an eine Quallenart, die sich zunächst einen festen Standort sucht und dann ihr restliches Leben damit verbringt, ihr eigenes Gehirn zu verdauen. Einen Seitenhieb gab es von Nuhr auch für das Reality-TV: "Bald werden wir den ersten beim Sterben zusehen."
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Mario Barth wurde als bester Live Act prämiert - und beschäftigt inzwischen sogar die Wissenschaft. (Foto: dpa)Ganz so weit ist es mit dem TV-Programm zurzeit zum Glück noch nicht, aber niveauvoll ist Brachialhumor à la Mario Barth mit Sicherheit auch nicht. Der Komiker, der im Juli mit einem Auftritt vor 70.000 Zuschauern einen "Comedy-Weltrekord" aufgestellt hatte, beschäftigt mittlerweile sogar die Wissenschaft. Der Humor des 35-jährigen richte sich "an stammesgeschichtlich schon sehr alte Gehirnstrukturen", sagte der Berliner Psychologe Prof. Peter Walschburger der Deutschen Presse-Agentur dpa. Frei übersetzt: So hat man zur Steinzeit auch schon gelacht. Walschburger warnt jedoch vor "intellektuellem Hochmut" nach Art Reich-Ranickis: "Mario Barth hat sicherlich eine besondere Leistung erbracht, wenn auch keine Leistung im Sinne von Bildung. Die schiere Zahl der Leute zeigt, dass das eine Medienwirkung ist, die man ernst nehmen muss."Mehr zu Reich-Ranickis TV-Schelte:
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CK/dpa
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