01.03.2010, 16:20 Uhr | kranki/mth
"Bad Lieutenant" (Foto: Splendid/Fox)
2005: Hurrikan "Katrina" fegt über New Orleans hinweg und kostet viele Menschen das Leben. Als Held erweist sich der Cop Terence McDonagh (Nicholas Cage). Er rettet einen Häftling, der in seiner Zelle zu ertrinken droht, aus dieser misslichen Lage. Dafür wird er zum Lieutenant befördert. Soweit der offizielle Teil: Dass er den Kerl erst noch verhöhnte, steht genauso wenig im Protokoll, wie die Schmerzen, die er seit seinem Sprung in die Fluten mit sich herumträgt. Seither gibt es nur eines, was ihm wichtig ist: Zugedröhnt mit Schmerzmitteln und Kokain den Alltag bewältigen... Im Thriller-Remake "Bad Lieutenant" lässt Altmeister Werner Herzog mit unnachgiebiger Konsequenz und schwärzestem Humor seine Hauptfigur die Abwärtsspirale hinunterrasen und führt damit Nicolas Cage zu seiner beeindruckendsten Leistung seit "Leaving Las Vegas".
Das Schöne an Drogen: Sie verzerren die Realität. Deswegen nimmt Terence nicht wahr, wie ihm sein Leben immer mehr aus den Händen gleitet. Trotz seiner Abhängigkeit übernimmt er einen brandheißen Mordfall, der zu dem Drogendealer Big Fate (Alvin "Xzibit" Joiner) führt. Fortan muss er den Beschützer für den Botenjungen Daryl (Denzel Withaker) spielen - den wichtigsten Zeugen. Mit ihm im Schlepptau heizt er Justin (Shea Whigham), dem fiesen Brutalo-Freier seiner Geliebten, der Prostituierten Frankie (Eva Mendes), ein. Daryl sieht daraufhin zu, möglichst viel Land zwischen sich und New Orleans zu bringen, denn er erkennt: Mit Terence ist nicht gut Kirschen essen ist und dessen Unberechenbarkeit macht ihn zu einem schlechten Beschützer. Damit steckt Terence erst recht in der Klemme: Vom Polizeirevier wird massiv Druck auf ihn ausgeübt, und Justins Daddy bringt Frankie in seine Gewalt. Terence muss 50.000 US-Dollar auftreiben und macht Big Fate dafür ein unmoralisches Angebot. Noch schlimmer kann es eigentlich gar nicht mehr für den Cop kommen, doch das Schicksal schlägt unerbittlich weiter auf ihn ein...
Abel Ferrara hat 1993 mit dem Original "Bad Lieutenant" eine wahre Genre-Perle geschaffen. 17 Jahre später hat sich mit Werner Herzog ein ganz Großer der Filmbranche an ein Remake gewagt, das allerdings als eigenständiges Werk zu sehen ist. Bis auf die Rahmenhandlung - ein Cop ist drogenabhängig und gerät immer tiefer in den Sumpf der Kriminalität - ist bei Herzog alles anders. Drehte sich bei Ferrara die Thematik in den Straßenschluchten New Yorks noch um Schuld und Moral im religiösen Sinne, ist bei Herzog in New Orleans nichts Moralinhaltiges zu entdecken: Er beobachtet und schafft Nähe zur Figur des gebrochenen Cops mit all ihren dunkeln Facetten und Lichtpunkten. Nicholas Cage glänzt als Ordnungshüter ohne Gewissen und zeigt, dass eben so viel mehr in ihm steckt als stereotypes Actionkino. "Bad Lieutenant - Cop ohne Gewissen" wird gewiss spalten: Ferrara-Fans werden Herzogs Schöpfung alleine schon wegen der Anlehnung an das Original verteufeln, alle anderen werden seine souveräne Spielweise mit dem Mainstream-Kino zu genießen wissen.
Filmstart: 25. Februar 2010
kranki/mth
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