27.05.2008, 16:26 Uhr | dpa / jho
Die No Angels hatten in Belgrad keine Chance. (Foto: Reuters)Drei Tage nach dem blamablen Abschneiden der No Angels beim Grand Prix kommt nun auch Kritik von unerwarteter Stelle: Ausgerechnet NDR-Unterhaltungschef Ralf Quibeldey, der mit seinem Sender für den deutschen Vorentscheid direkt verantwortlich ist, kritisiert in einem Interview mit der Osnabrücker "Neuen Presse" den Wettbewerbstitel hart. "Für den Eurovision Song Contest braucht man entweder eine Ballade für das ganz große Gefühl oder eine flotte Up-Tempo-Nummer mit einer guten Bühnenshow. 'Disappear' entsprach diesen Kategorien nicht so recht". Statt sich schützend vor die No Angels zu stellen, feuert Quibeldey also ebenfalls eine Breitseite auf sie ab.
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Künstler trauen sich nicht
Die No-Angels-Nummer sei ein Airplay-Song, so Quibeldey weiter - "er ist gut fürs Radio, ihm fehlt aber die Bühneneignung". Die Auswahl der Wettbewerbstitel sei zudem jedes Jahr eine Gratwanderung für den NDR. "Das Problem ist, dass sich viele etablierte deutsche Künstler nicht trauen, sich dem Wettbewerb zu stellen", so der NDR-Unterhaltungschef. Insbesondere scheuten sie den nationalen Vorentscheid. Wenn er bei Künstlern nachfrage, bekomme er von vielen Managern Absagen. Wenn ein Musiker zusage, redeten auch die Plattenfirma und das Management bei der Wahl des Songs mit.
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Konsequenzen - ja, Vorentscheid abschaffen - nein
Die Enttäuschung über das schlechte Abschneiden scheint also tief zu sitzen - zumal der NDR diesmal auch das Glück hatte, mit den No Angels eine europaweit bekannte Gruppe an den Start zu bringen. Doch auch das half nichts. Über Konsequenzen denkt der NDR deshalb nach, den deutschen Vorentscheid wolle man aber nicht abschaffen. "Wir müssen dem deutschen Publikum schon unseren Starter vorstellen", sagte Quibeldey in dem Interview weiter. "Aber wir werden den Vorentscheid sicher verändern." Nähere Angaben dazu machte er in der Zeitung nicht.
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NDR gehen die Argumente aus
Zwölf Punkte aus Bulgarien - Lucy sei Dank? (Foto: Reuters)Geht es nach den Nutzern von t-online.de, sollte Deutschland seine Teilnahme am Eurovision Song Contest einstellen. Dieser Meinung sind 83 Prozent der Leser. Doch soweit wird es nicht kommen. Denn der NDR hält an dem Wettbewerb fest, auch wenn er nach dem Desaster von Belgrad unter Rechtfertigungsdruck gegenüber den übrigen ARD-Anstalten steht. Der letzte Platz für die No Angels, rund eine Million weniger Fernsehzuschauer als im Vorjahr und das alles bei einem millionenschweren Etat - NDR-Programmdirektor Volker Herres benötigt wirklich gute Argumente für ein Weitermachen.
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BBC überlegt Ausstieg
So wird man wohl auch 2009 ein Lied nach Moskau schicken, wo der nächste Songcontest stattfindet. Und weil Deutschland, zusammen mit Großbritannien, Frankreich und Spanien, 30 Prozent des gesamten Grand-Prix-Etats bezahlt, darf man sich auch wieder über einen Startplatz im Finale freuen. Wie viel genau wir uns das Spektakel kosten lassen, darüber hüllt der NDR den Mantel des Schweigens. Vor drei Jahren in Athen waren es 15 Millionen Euro. Finanziert aus der GEZ. Da kommt einem das Wort Verschwendung natürlich schnell in den Sinn. Die britische BBC überlegt laut "B.Z." inzwischen angeblich, aus dem Wettbewerb auszusteigen. Auch die Songs aus dem Vereinigten Königreich landen seit Jahren ganz hinten. Italien hat diesen Entschluss bereits 1997 gefasst und auch Österreich war in Belgrad nicht angetreten.
dpa / jho
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