25.05.2011, 10:40 Uhr | Nibo/ AFP
Tom Cruise nutzte ihre Show als Plattform, seine irre Liebe zu Katie Holmes zu demonstrieren. Talk-Kollegin Ellen DeGeneres plauderte auf ihrer Couch locker über ihr Outing als Lesbe und brachte Lebensgefährtin Portia de Rossi gleich mit. Und Schnulzensänger Seal vergoss heiße Tränen, als er mit bisher unbekannten Fotos seiner Kindheit konfrontiert wurde: Oprah Winfrey hat mit ihrer Talkshow Fernsehgeschichte geschrieben. Woche für Woche unterhielt die US-Moderatorin ihr vorwiegend weibliches Publikum mit Gesellschaftsthemen, Klatsch und Alltagssorgen, nun zieht sie nach 25 Jahren einen Schlussstrich. Die besten Bilder von Oprahs großer Abschiedssause mit vielen US-Superstars sehen Sie in unserer Foto-Show.
US-Medien feiern Winfreys letzte Talkshow als epochales TV-Ereignis, die "New York Times" kürte sie schon vor der Ausstrahlung am Mittwoch zum größten Fernsehmoment seit dem Abschied der Late-Night-Legende Johnny Carson vor zwei Jahrzehnten. Eingeleitet wurde das Oprah-Finale mit zwei Überraschungssendungen am Montag und Dienstag, aufgezeichnet in der vergangenen Woche vor 13.000 Fans. Ein riesiges Promiaufgebot würdigt dabei die Verdienste einer zu Tränen gerührten Winfrey. Über ihre letzte Show ist dagegen fast nichts bekannt. Der Abschluss soll im Kreise von Freunden und Verwandten stattfinden, heißt es.
Als Winfrey aufwuchs, sprach eigentlich nichts dafür, dass sie einmal die erste afroamerikanische Milliardärin und eine der einflussreichsten Prominenten der USA werden würde. Rassentrennung prägte das gesellschaftliche Umfeld im südlichen Bundesstaat Mississippi, in das sie 1954 als uneheliches Kind geboren wurde. Die ersten Jahre wohnte Winfrey bei den Großeltern, in ihrer Kindheit musste sie Armut und sexuellen Missbrauch ertragen. Mit 14 Jahren wurde sie schwanger, ihr frühgeborenes Kind starb. Winfrey durchlebte jene Tiefen, die sie sich später von ihren Talkshow-Gästen schildern ließ, in ihrer eigenen Biographie.
Die weltberühmte Talklegende beendet nach 25 Jahren ihre beispiellose Karriere.
Ein Stipendium ermöglichte Winfrey ein Journalismus-Studium an der Universität von Tennessee. Ihre Karriere begann Anfang der 70er Jahre bei einem lokalen Fernsehsender in Baltimore, wo sie zunächst als Reporterin, dann als Moderatorin vor der Kamera stand. Der Aufstieg zu einer nationalen Berühmtheit begann mit ihrem Wechsel nach Chicago 1984. Dort übernahm sie im Lokalprogramm eine morgendliche Talkshow, die sie binnen weniger Monate zu Spitzenquoten führte. Am 8. September 1986 wurde "The Oprah Winfrey Show" auf dem Sender ABC erstmals landesweit ausgestrahlt, seitdem liefen mehr als 4500 Folgen. Zuletzt schalteten jede Woche geschätzte 40 Millionen Menschen in den USA ein.
Um ihre Talkshow baute Winfrey ein Medienimperium auf. Sie hat eine eigene Produktionsfirma, katapultiert Bücher mit Empfehlungen in "Oprah's Book Club" regelmäßig auf die Bestseller-Listen und bringt eine Zeitschrift heraus - ihr Foto schmückt die Titelseite jeder Ausgabe. Das US-Magazin "Forbes" schätzt ihr Vermögen auf 2,7 Milliarden Dollar (1,9 Milliarden Euro). Winfrey-Biografin Kitty Kelley nennt die Talkshow-Queen eine "einzigartige amerikanische Persönlichkeit, die der Gesellschaft einen unlöschbaren Stempel aufgedrückt hat".
Die Talkshow-Queen will aber nicht ganz von der medialen Bildfläche verschwinden - im Gegenteil. Seit Jahresbeginn läuft ihr eigener Sender, der sich OWN abkürzt (Oprah Winfrey Network), und der Zuschauerinnen rund um die Uhr die volle Oprah-Dosis bieten soll. Der Schritt von der großen TV-Bühne in die Nischen des Kabelnetzes ist aber nicht ohne Risiko.Etwa 80 Millionen Haushalte können OWN empfangen, die Shows über Gesundheit, Geld, Psychologie und Kochen richten sich vor allem an Frauen. Experten sind aber skeptisch, ob auch der Sender ein Erfolg wird. "Oprah hat einen starken Namen, aber es ist wirklich schwer, die Fernsehgewohnheiten der Menschen zu ändern und sie an einen neuen Sender zu gewöhnen", sagt Derek Baine von der Medien-Beratungsfirma SNL Kagan.
Die Einschaltquoten von OWN sind bislang eher enttäuschend, bei den Oprah-Fans überwiegt offenbar noch die Trauer über das Ende ihrer Talk-Sendung. Eine Frau schrieb ins Gästebuch von Winfreys Internetseite, sie fühle sich, als ob eine gute Freundin wegziehe. "Wir haben gemeinsam gelacht und geweint und glückliche, ängstliche und so viele andere Momente miteinander geteilt."
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Quelle: AFP
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