"Big Brother" auf Quotenfang mit verwundeten Soldaten. (Foto: Big Brother UK)Mit verwundeten Soldaten will die britische Fernsehsendung "Big Brother" einem Zeitungsbericht zufolge mehr Zuschauer vor die Bildschirme locken. Die Produzenten der Show suchten nach Kriegsversehrten, die bei ihrem Einsatz im Irak oder Afghanistan ein Bein oder einen Arm verloren haben, berichtete die "Daily Mail" am Samstag. Damit solle die vorerst letzte Staffel zur aufsehenerregendsten Produktion in der Geschichte der Reality-TV-Show werden. Die Pläne sorgten für Entsetzen bei Kriegsveteranen. Und die Geschmacklosigkeit kennt keine Grenzen: Die Produktionsfirma Endemol hat dem Bericht zufolge mehrere Wohltätigkeitsorganisationen kontaktiert. In der Anfrage wurde um "Fallbeispiele" von Soldaten gebeten, die obdachlos oder in jüngsten Kriegen verletzt wurden.
Die Kriegsveteranen kritisierten die Pläne scharf in der Zeitung. Das Vorführen von Soldaten mit Amputationen sei "ein neues Tief im Reality-TV", sagte der Vorsitzende des britischen Veteranenbundes, Hugh Milroy. "Wir sind eine Wohltätigkeitsorganisation, kein Auslesevehikel für schlechte Fernsehprogramme", sagte die Sprecherin des Armeeunterstützungsfonds, Annabelle Fuller. Die Pläne wurden am Tag nach der Weihnachtsansprache von Königin Elizabeth II. öffentlich gemacht. Sie hatte die hohe Zahl gefallener Soldaten beim Einsatz in Afghanistan betrauert. Jeden Briten hätten die hohen Verluste der Armee betroffen gemacht, sagte die 83-Jährige am ersten Weihnachtsfeiertag im Fernsehen. Allein in Afghanistan starben in diesem Jahr 106 Soldaten, mehr als 430 wurden verletzt.
Endemol und der Fernsehsender Channel 4 wollten in der Sendung einem vielfältigen Publikum eine Plattform bieten, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung am Samstag. Dafür sollten auch isolierte Gesellschaftsschichten angesprochen worden. Die vorerst letzte britische "Big Brother"-Staffel wird im Sommer ausgestrahlt.