Manche Künstler lassen sich für ein neues Album zwei, drei, fünf Jahre Zeit – Mark Medlock dagegen legt mit "Club Tropicana" schon sein viertes Album in nur zwei Jahren vor. Der "DSDS"-Sieger und sein kongenialer Produzent und Mentor Dieter Bohlen nutzen Marks Popularität bestmöglich aus, solange sie vorhanden ist. Daran ist natürlich erst einmal nichts Verwerfliches. Schlimm wäre es nur, wenn bei der schieren Masse an Songs, die das dynamische Duo auf den Markt wirft, die Qualität auf der Strecke bliebe. Und genau da liegt das Problem: Denn nur die letzten Lieder auf "Club Tropicana" können überzeugt.
Mark Medlock und Dieter Bohlen haben sich auf eine Richtung festgelegt und ziehen diese recht konsequent durch: "Club Tropicana" ist ein lockeres Sommeralbum mit Sommersongs, punkt. Dementsprechend sind die ersten Titel (von "Mamacita" über "Copacabana" bis "Put A Smile On Your Face") auch das, was man leider bereits von den beiden kennt: Locker-flockige, aber belanglose Popliedchen mit künstlichem Karibik-Flair, die man gut nebenbei hören kann, dann aber auch sofort wieder vergessen hat. Doch wenn man schon gar nicht mehr damit rechnet, wird das Album tatsächlich doch noch erstaunlich gut. Denn die letzten Songs sind eine echte Überraschung: "Wild Wild World" erweist sich als ein bisschen funkige Reggae-Pop-Nummer. "Why Can’t We Live Together" ist ein aus der Reihe fallender, dafür umso schönerer bluesiger Song, während "Forgive Me" als einfühlsame Klavierballade daherkommt. Das Schlussstück "Last Summer" wiederum, das an Sam Cookes "Summertime" erinnert, gefällt mit swingendem Blues-Rhythmus und Harmonika-Einwürfen. Hier lässt sich erahnen, welches Potenzial eigentlich in Mark Medlock steckt. Davon gerne mehr!
Der größte Kritikpunkt ist auch auf "Club Tropicana" leider wieder der Produzent. Denn Dieter Bohlen bleibt sich treu, und so hört man in mehreren Songs deutliche Anleihen aus diversen Hit-Klassikern heraus. Besonders auffällig wird das in "Que Sera", das Bob Marleys "Could You Be Loved" verwurstet, und "Heart To Heart", das frappierend Ronan Keatings "Who Needs Tonight" ähnelt. Zudem kopiert Bohlen sich wieder mehrfach selbst, weshalb den meisten Liedern auch jegliche Originalität abgeht. Und auf die englischen Texte sollte man sowieso besser nicht so genau achten. Da werden ständig ominöse "Babys" und "Girls" besungen, oft ist die englische Grammatik mehr als gruselig und übersetzen sollte man die Texte sowieso lieber nicht: "Herz an Herz, Hand in Hand, bis ans Ende des Regenbogens"? Aua!
Dennoch: An "Club Tropicana" ist bei Weitem nicht alles schlecht, und für viele Medlock-Fans haben sicherlich auch die leichten Sommer-Pop-Songs ihren Reiz. Doch der größte Lichtblick sind eindeutig die letzten Songs. Sie machen Hoffnung darauf, dass es neben dem bohlenschen Einheitsbrei doch noch eine Alternative für Mark geben könnte. Denn gerade hier kann er die Qualität seiner Stimme entfalten, die von den Plastikpop-Produktionen sonst erdrückt wird. Schade nur, dass sich mit Soul und Blues nicht so leicht Geld verdienen lässt - sonst gäbe es diesen Mark Medlock sicherlich öfter zu hören.