24.10.2011, 15:04 Uhr | Nibo
Till Ritter (Dominic Raacke) und Felix Stark (Boris Aljinovic) bergen eine Leiche. (Quelle: RBB/Julia von Vietinghoff)
Ein Brachland zwischen Ost und West. Hier schient die Zeit stehen geblieben zu sein. Teile der Mauer stehen noch, was diesem Stückchen Land mitten in Berlin den Namen "Mauerpark" einbrachte. Alles wirkt unwirtlich und grau an diesem eiskalten Wintermorgen, an dem die Kommissare Till Ritter (Dominic Raacke) und Felix Stark (Boris Aljinovic) auf einem Schrottplatz die Leiche des skrupellosen Strafverteidigers Simon Herzog (Christoph Gareisen) finden und damit die Arbeit an einem Fall beginnen, der sie weit in die Vergangenheit der Stadt versetzt. Gestern lief der 25. Berliner "Tatort" - pünktlich zum 10. Jahrestag des Duos Ritter & Stark. Gezeigt wurde ein solider Krimi, der sowohl eine verblüffende Story, als auch sehr atmosphärische Bilder und einen von Zeitsprüngen und Rückblenden geprägten Erzählstil ablieferte. "Tatort"-Unterhaltung im besten Sinne.
Während sie das soziale Umfeld des Mordopfers Herzog durchforsten, stoßen die Beamten auf Drohbriefe aus der Vergangenheit Simons, die von Gregor Müller (Sven Lehmann), einem Opfer Herzogs, stammen. Beim Verhör erwähnt Müller einen Fall von Baby-Entführung, der mittlerweile 25 Jahre zurückliegt: Damals wurde das Kind einer Berliner Industriellenfamilie entführt und blieb verschwunden. Müller war zu jener Zeit der Hauptverdächtige und wanderte für 15 Jahre hinter Gitter. Die Flashbacks auf die vergangene Verhörsituation, inklusiver verrissener, erinnerungsartiger Bilder und Tonbandausschnitte gaben dem Film eine ganz eigene wunderbare Dynamik, weit über das übliche "Tatort"-Spektrum hinaus.
Gregor Müller steht inzwischen im Dienste von Ina Killian (Rebecca Immanuel), einer berühmten Berliner Charity-Lady, die seltsamerweise die Tante des entführten Kindes ist. Auch Lukas Vogt (brillant: Robert Gwisdek), ein herumstreunender junger Mann, der auf dem Geländes des Schrottplatzes im Mauerpark lebt und arbeitet, gibt den Herren Ritter und Stark durch sein undurchsichtiges Verhalten zusätzliche Rätsel auf. Es stellt sich heraus, dass er das 25 Jahre zuvor entführte Baby war, das in den Osten Deutschlands verschleppt und von seiner Pflegefamilie jahrelang schwer misshandelt wurde. In einem perfiden Rachefeldzug geht er gegen alle an der Entführung Beteiligten vor und bringt am Schluss Gregor Müller erneut ins Gefängnis, von dem er nicht wusste, dass er sein Vater ist. Er selbst kommt straffrei davon.
Der 25. "Tatort" aus dem Hause Ritter und Stark ging dank seiner eindringlichen Geschichte und seinen überzeugenden Darstellern ans "Eingemachte". Mehr als irgendeine Person spielte die Vergangenheit der Stadt Berlin, der bis heute brach liegende Mauerpark, die Kieze von Wedding und Prenzlauer Berg, die 25 Jahre zuvor angesagt Disko "Dschungel" und natürlich die Teilung in Ost und West eine wesentliche Rolle. Regisseur Heiko Schier gelang es, diese Vergangenheit auf bizarre Weise einzufangen: "Der Tatort verfügt über eine gewisse Härte und eine gewisse Monstrosität. Es gibt nicht so viele offensichtliche Brachstellen zwischen Ost und West wie den Mauerpark in Berlin", so Schier.
Verwackelte Bilder spiegelten die Erinnerung an eine längst vergangene Zeit. Dumpfe Musikrhythmen, die düsteren Innenaufnahmen einer Disko in rötlichem Licht, verschwitze, fröhliche Gesichter stellten Momentaufnahmen des Kultclubs "Dschungel" dar, der in den 80er Jahren als legendäre Szenekneipe galt, in der Promigrößen wie David Bowie, Iggy Pop, Nick Cave oder Mick Jagger verkehrten. Immer wieder tauchte die allgegenwärtige Berliner Mauer als Szenenhintergrund auf. Zeitsprünge hinein in Verhörsituationen von vor 25 Jahren, verzerrte Tonbandaufnahmen, Zeitungsausschnitte und immer wieder schattenhafte Bilder vervollständigten die handwerkliche Vielseitigkeit von "Mauerpark".
All diese Versatzstücke verlangten vom Betrachter zwar jede Menge Aufmerksamkeit ab, doch die enge Anteilnahme wurde belohnt mit dem überraschenden Aufdecken des Verbrechens und dem Enttarnen der verworrenen Hintergründe. Vervollständig durch herausragende Darsteller, von denen besonders Robert Gwisdek durch herrlich unruhiges Spiel, sowie Rebecca Immanuel in der Doppelrolle der Ina/ Laura Kilian herausstachen, war der 25. "Tatort" aus dem Hause Ritter und Stark ein würdiger Vertreter seiner Zunft.
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Nibo
Tuffy49 schrieb:
am 25. Oktober 2011 um 13:56:45
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Tatort
Ich sehe dieses Team sehr gerne - nur muss ich mich oft wundern wie diese Krimis bewertet werden. In diesem Falle war die Handlung
nicht überzeugend, alles irgendwie an den Haaren herbei gezogen und wenig glaubhaft. Es fällt wahrscheinlich nichts mehr ein - die Realität ist oft grausamer und spannender als viele Krimis.
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Krimi-Fan schrieb:
am 24. Oktober 2011 um 18:21:56
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Super geschauspielert
Ich möchte mich voll und ganz dem obigen Bericht anschließen, ein toller Tatort, anspruchsvoll, aber in sich
schlüssig! Absolut tolle und bis in die kleinen Rollen glaubhafte Schauspieler! Glüchwunsch zu dieser Besetzung!
Weiter so. Ein guter Kontrast zu den Privaten Volksverdummungs-Sendungen.
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Dieter schrieb:
am 24. Oktober 2011 um 16:26:51
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Tatort Mauerpark
Einer der langweiligsten Tatorte der beiden Berliner Kommissare.
Einziger Lichtblick: seit Edel und Starck endlich wieder
einmal Rebecca Immanuel im Fernsehen zu sehen. Ansonsten langatmig gespielt und ziemlich grau gehalten. Schluß war etwas durcheinandergewirbelt, war aber noch das Beste an der Handlung.
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