19.09.2011, 13:39 Uhr | Nibo
Anna Bullard-Werner überzeugte als Nadine Petri. (Quelle: ARD)
Kraftvoll schlägt die junge Frau auf den von der Decke herabhängenden Sandsack ein. Immer wieder treffen ihre Fäuste das feste Leder. Sie ist wütend, aufgeladen. Lässt ihre Wut an dem gepressten Sand aus, boxt sich fix und fertig und hält schließlich erschöpft inne. Es wird klar: Hier geht es nicht darum, besondere Fitness zu demonstrieren. Hier geht es um aufgestaute, innere Wut. Verzweiflung. Anklage. All diese Aspekte spielten eine große Rolle im gestrigen 20. "Tatort" aus Münster und einmal mehr bewies eine Nebenfigur ungeheure, darstellerische Schlagkraft: Anna Bullard-Werner stellte als Nadine Petri mit ihrer schauspielerischen Intensität das Ermittler-Duo, gespielt von Axel Prahl und Jan Josef Liefers in den Schatten.
Denn: Natürlich lieferten sich Hauptkommissar Frank Thiel und Rechtsmediziner Karl Friedrich Boerne ihre altvertrauten Sticheleien, doch mancher Kalauer kam so flach daher, dass mehr als ein müder Lacher dem werten Zuschauer nicht zu entlocken war. Ein immer gleiches Witze-Schema kann auch ermüdend sein.
Zunächst begann der ARD-Krimi mit dem Titel „Zwischen den Ohren“ ganz solide: Vadder Thiel (wie immer grandios: Claus D. Clausnitzer) fischt beim Münsteraner Nachtangeln einen abgetrennten Fuß aus dem Wasser, der in einem Motorradstiefel steckt. Von Professor Boerne unter die Lupe genommen, weist der Fuß eine seltene Deformierung auf, die dem Mediziner bekannt vorkommt: Auch seine alte Klassenkameradin Susanne Clemens hatte eine solche Fehlstellung. Thiel beginnt in Susannes Umfeld zu ermitteln und der Verdacht, die passionierte Motorradfahrerin könnte einem Verbrechen zum Opfer gefallen sein, wird bald zur Gewissheit. Im Zuge ihrer Ermittlungen geraten die Ermittler Boerne und Thiel nicht nur an den chauvinistischen Bikerclub "Wotan Wolves", in dem Frauen nicht erwünscht sind und dessen Mitglieder den verblüfften Beamten ein ums andere Mal durch rotzfreches Auftreten und verbales Säbelrasseln zeigen, wo der Bikerhammer hängt, sondern auch an einen Tennisclub, in dem Susanne gearbeitet hat. Dort tritt Tennistalent Nadine Petri (Anna Bullard-Werner) auf den Plan.
Nadine und Susanne waren trotz des Altersunterschieds enge Freundinnen und Thiel findet in Susannes Nachlass eine versteckte DVD, auf der sie mit Nadine in trauter Eintracht zu sehen ist und Nadine ihr gesteht, intersexuell zu sein. Professor Boerne klärte auf: Intersexuell sei ein Mensch dann, wenn von Geburt an beide Geschlechter in ihm angelegt seien und er weder das eine, noch das andere vollkommen ausleben könne. Nadine sei so im Körper einer Frau gefangen, fühle jedoch wie ein Mann. Häufig würde ein Zwitter bereits unmittelbar nach der Geburt operiert - und meistens zum Mädchen gemacht, denn, wie Boerne salopp ausdrückte: "Es ist einfacher ein Loch zu graben, als einen Turm zu bauen." Auch wenn dieser Spruch sehr trocken daher kam, das Lachen blieb einem im Halse stecken.
Zu beobachten, wie Anna Bullard-Werner diese Nadine Petri verkörperte, war jedoch ein Hochgenuss. Impulsiv spielte sie deren völlige Zerrissenheit und das nur schwer begreifbare Unglück, sich des eigenen Geschlechts nicht sicher zu sein. Sie war wütend, stampfte durch ihren Kraftraum, gab sich vor Thiel wie ein Kerl und verriet ihm, dass Männer ihren Pullover immer mit beiden Händen vom Nacken her ausziehen, während Frauen dafür ihre Arme vor dem Bauch verschränken. Sie selbst würde das wie ein Mann machen. Klar, dass Thiel und Boerne das an mehreren ihrer weiblichen Kollegen testeten und so für den ein oder anderen Lacher sorgten.
Insgesamt schaffte es Regisseurin Franziska Maletzky nur bedingt, das sensible Thema der Trans- und Intersexualität bei jungen Menschen zu streifen. Möglicherweise war ein tieferes Eindringen in dem vorgegebenen "Krimi-Rahmen" gar nicht möglich. Ernsthafte Ansätze und teilweise schockierende Bilder - nachdem Boerne per Ultraschall festgestellt hat, dass sich in Nadines Unterleib tatsächlich auch männliche Geschlechtsorgane befinden, versuchte sie sich in ihrer Verzweiflung, selbst zu verstümmeln - wurden abgelöst von sehr flachen Fußballgags und einem halbgaren Brüderschaftstrinken zwischen den Ermittlern. Die starke Nebenfigur Nadine versuchte sich gegen die verlässlich aber deshalb nicht besonders innovativ witzelnden Thiel und Boerne zu behaupten, teilweise gelang das auch wunderbar.
Im Großen und Ganzen sorgte diese Mixtur beim Zuschauer jedoch auch für Verwirrung: Er bekam kaum Gelegenheit, die Verzweiflung der jungen Frau wirklich zu ermessen, da im nächsten Moment schon wieder ein Gag platziert wurde. Ein mäßig befriedigendes Wechselbad der Gefühle war die Folge. Der Nachgeschmack blieb schal.
Quotenmäßig kam der 20. "Tatort" aus Münster zwar nicht an den Rekord vom letzten Mal heran (im Mai sorgten sie mit 11,79 Mio. für die meisten "Tatort"-Gucker seit 1993), doch mit 10,40 Millionen Zuschauern war der Krimi wieder ein gigantischer Erfolg. Selbst im jungen Publikum gewann er und schlug mit 3,53 Millionen unter den 14- bis 49-Jährigen sogar den ProSieben-Blockbuster "Transformers - Die Rache".
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Quelle: t-online.de
SB schrieb:
am 10. Oktober 2011 um 21:22:35
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sehr gute Tatort-Folge
ganz ehrlich: das war eine STARKE Tatort-Folge. Die Rezension kann ich überhaupt nicht nachvollziehen: weder platte
Witze, die ausgedient sind, noch irgendwelche langatmigen Durchhänger. Ganz im Gegenteil: der Tatort ist kurzweilig und extrem amüsant. Mehrmals musste ich von Herzen lachen, dabei wirkt die Story aber keineswegs lächerlich sondern ist bis zum Ende spannend und nicht klar, wer der/die Täter ist/sind.
Extrem guter Tatort!
SB
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stänk schrieb:
am 19. September 2011 um 19:52:57
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(0)
unwichtig
hallo !
die handlung ist doch bei den Münsteranern unwichtig.(der mord oder der fall meist nur nebensache)
allein die
hauptdarsteller der serie sind ihr geld wert.
ich schaue die münsteraner truppe nur wegen den genialen charakteren an.
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Lillifee schrieb:
am 19. September 2011 um 17:59:25
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Tatort
Hey Leuts,
wenn es Euch nicht ineressiert, dann schaut halt irgend ein Navy-CIS-Sch..ß
an.
Es gibt blöde Tatorte, es gibt
Mittelgute und es gibt eben einfach nur Geniale.
Soll sich jeder rauspicken, was ihn unterhält und ihm Spass macht zu schauen.
Habe mir abgewöhnt JEDEN Tatort zu schauen. Gucke nur noch gezielt die Teams die mit Spannung, Humor und ein bisschen Ironie den Abend unterhalten.
Und darum geht es doch. UNTERHALTUNG, ABSCHALTEN UND RELAXEN bevor der Montag wieder beginnt. Oder?
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