25.07.2010, 15:13 Uhr | Judith Wiemers/Intro
Tom Jones präsentiert "Praise & Blame". (Foto: Marco Grob / Universal)
Wer dachte, Tom Jones habe nur das Eine im Sinn, hat sich geschnitten. Der Sex-Gott von einst meint es nun ernst, tritt in die Fußstapfen eines späten Johnny Cash und nimmt ein entschlacktes Americana-Album mit Blues- und Gospel-Songs auf. Das bereits 26. Album des Walisers nennt sich "Praise & Blame". Funktioniert ein Tiger ohne Hüftschwung und Zahnpasta-Lächeln?
Ein alternder Sir Tom Jones wendet sich ab von vergangenen Jugendsünden, in denen der Lockenkopf mit der Reibeisenstimme unangefochtener King der sexuell aufgeladenen Knaller-Hits und kitschigen Popballaden war. Dank des anzüglichen Gedankenguts und dem Brüll-Organ des mittlerweile 70-Jährigen Popveteranen, wurde ihm der sprechende Spitzname Tiger zuteil, eine Bezeichnung, die Jones als schmeichelhaften Appell aufgriff. Seit Dekaden versteht sich Jones als Inbegriff des bombastischen, gutgelaunten und mitunter unseriösen Popsongs mit reduzierter gedanklicher Tiefe - alles selbst gewählte und ausgereizte Attribute.
Ähnlich dem gereiften Johnny Cash zaubert Jones im Alter nun einen überraschenden Tonträger aus dem Hut, auf dem er Klassiker eines Genres intoniert, das vor Ehrlichkeit und tief empfundenem Schmerz nur so strotzt. Mit der Entscheidung für Blues-Songs wie Tom Lee Hookers "Burning Hell“ wählt Jones zwar ein stimmlich schmeichelndes Timbre, lädt sich jedoch die Bürde der Glaubhaftigkeit auf. Im Vergleich zu Cash, der am Ende seines durch Drogen, Rock’n’Roll und tragische Familiengeschichten geprägten Lebens die Herzen von Tausenden mit „Hurt“ bewegte, wirken die tragischen Texte rund um Glauben und oftmals Tod aus dem Mund der „Sexbomb“-Legende doch etwas unglaubwürdig.
Rein musikalisch ist "Praise & Blame" ein gutes, wertvolles Album. Jones holte sich mit Ethan Johns einen prominenten Produzenten ins Boot, der unter anderen für Künstler wie Kings of Leon und Laura Marling arbeitete. John hält die klassischen Blues-Arrangements schlicht und so rudimentär wie möglich, durch die Aufnahmen von Live-Versionen soll spontaner Charakter und Authentizität geschürt werden. Trotz überzeugender Gastauftritte von Americana-Größen wie Gillian Welch oder Dave Rawlings kann ein Tom Jones allerdings am Ende nicht die gleiche Intensität wie Bob Dylan für „What good am I?“ transportieren. Bob, John Lee und Co. waren ein Produkt ihrer Musik. Das gleiche gilt für Tom Jones.
Quelle: t-online.de
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