09.01.2012, 12:20 Uhr | demo
Szenenbild aus Roland Emmerichs "2012": Geht 2012 die Welt unter? Was wussten die Maya wirklich über die kommende Apokalypse? (Quelle: Sony Pictures / Cinetext)
In dem Katastrophenfilm"2012" schickt Regisseur Roland Emmerich die Welt mit effektrauschendem Getöse in den Abgrund. Als Hintergrund für seinen krachledernden Zerstörungsreigen hat er den Maya-Kalender gewählt, laut dessen Zeitrechnung am 21. Dezember 2012 der Weltuntergang bevor stehen soll. Eine Theorie eifernder Apokalyptiker besagt, dies geschehe durch die Kollision der Erde mit einem Planeten namens Nibiru, über dessen Existenz die Behörden die Menschheit bewusst im Unklaren ließen. Eine Annahme, die die US-Raumfahrtbehörde NASA auf den Plan rief, die verkündete: "Diese Behauptungen sind durch keinerlei Fakten gerechtfertigt." Was ist also dran, am Geheimnis des Maya-Kalenders?
Befände sich tatsächlich ein Planet auf Kollisionskurs mit der Erde, hält die NASA der spekulationswütigen Verschwörungsgemeinde entgegen, so "hätten Astronomen ihn schon seit mindestens zehn Jahren verfolgt und mittlerweile wäre er mit bloßem Auge zu erkennen." Es treibe zwar in der Tat ein Zwergplanet mit Namen Eris durchs All, dieser stelle aber für die Erde keinerlei Bedrohung dar. Renommierte Wissenschaftler versichern, es existierten keinerlei Erkenntnisse, die auf ein drohendes Schreckensszenario im Jahr 2012 hinweisen. Maya-Kalender hin, Maya-Kalender her.
Von wissenschaftlicher Seite bemüht man sich um Entwarnung. Also doch kein Weltuntergang 2012? Scheinbar nein. Aber was genau liegt eigentlich der Vorstellung zu Grunde, die Zeitrechnung einer um 900 n. Chr. spurlos verschwundenen mesoamerikanischen Hochkultur künde vom Ende der Welt? Angeblich endet die Zählung des Maya-Kalenders am 21. Dezember 2012, so heißt es in populärwissenschaftlichen Kreisen. Diese Aussage bedarf allerdings einiger Korrekturen.
Zunächst: Es gibt nicht einen Maya-Kalender. Das hochentwickelte Volk, dessen Population zur Blütezeit 20 Millionen Menschen umfasste und das eine Fläche von der Größe Deutschlands bewohnte, benutze ein komplex verschachteltes System aus drei verschiedenen Kalendern. Zum einen die so genannte Lange Zählung, die für astronomische Berechnungen und Geschichtsschreibung verwendet wurde, da sie große Zeiträume genau erfassen konnte. Weiterhin das Haab, das für alltägliche Zwecke, wie die Berechnung der Erntezeiten, benutzt wurde. Das Haab erfasst ein Sonnenjahr mit 365 Tagen und ähnelt daher unserem gregorianischen Zählsystem. Der dritte Kalender, Tzolkin genannt, kombinierte eine Zahlenreihe von 1 bis 13 mit dem Namen einer von zwanzig Gottheiten und diente der Datierung ritueller und religiöser Anlässe.
Erst die Kombination aus diesen drei Zählungen ergibt ein eindeutiges Datum im Maya-Kalender. Den Tag der Schöpfung der Welt datieren die Maya wie folgt: 13.0.0.0.0 4 Ahau 8 Cumku. Dies entspricht nach unserer Zeitrechnung dem 11. oder 13. August 3114 v. Chr. Daher rührt auch der moderne Mythos, die Welt werde 2012 untergehen. Am 21. Dezember diesen Jahres wird die Lange Zählung einen vollen Kalenderzyklus durchlaufen haben und wieder beim Anfangsdatum 13.0.0.0.0 angekommen sein.
Dazu gibt es noch zweierlei zu erwähnen: Erstens gibt es keine Hinweise darauf, dass die Maya-Religion in der Wiederkehr des Schöpfungsdatums nach Langer Zählung wirklich einen neuen Weltbeginn und damit eine Vernichtung der alten Welt sah. Zweitens nehmen es die Apokalyptiker, wie üblich, an dieser Stelle mit den Zahlen dann doch nicht so ganz genau. Zwar springt die Lange Zählung wieder auf Anfang, die anderen beiden Kalender allerdings nicht. Das heißt, am 21. Dezember 2012 zeigt der Maya-Kalender 13.0.0.0.0 4 Ahau 3 Kankin und nicht das Schöpfungsdatum 13.0.0.0.0 4 Ahau 8 Cumku!
Entwarnung also definitiv an allen Fronten. Weder die NASA noch die Maya wissen wirklich etwas von Untergang und Vernichtung an besagtem Datum. Aber auch das wird die Verschwörungstheoretiker nicht vom Spekulieren abhalten, ebenso wenig wie es Roland Emmerich von der Inszenierung von "2012" angehalten hat.
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