03.12.2011, 11:27 Uhr | dapd/SKO
Thomas Gottschalk bei "Wetten, dass..?" (Quelle: dapd)
Mit Thomas Gottschalks Abschied von "Wetten, dass..?" geht heute Abend eine Fernseh-Ära zu Ende. Mit 151 Sendungen tritt er nach 24 Jahren ab. Die letzte große Show wurde "um ihn herum gebaut", verriet ZDF-Sprecher Peter Gruhne vorab. Die Gäste, die Musik und eine Extra-Wette, alles soll auf der Showbühne in Friedrichshafen ganz nach Gottschalks Geschmack sein. Zur Einstimmung auf den heutigen Abschiedsabend gibt's hier Tommys beste Sprüche zum Durchklicken.
Doch schon vor dem Start um 20.15 Uhr wird den TV-Zuschauern ein besonderes Schmankerl geboten. Denn schon ab 19.25 Uhr zeigt das ZDF den sogenannten "Warm up", bei dem sich Gottschalk und die Zuschauer für die Sendung warmlaufen, live im TV. Als Gäste werden in der Show unter anderem Gottschalks Weggefährte Günther Jauch, die Schauspieler Iris Berben, Til Schweiger und Jessica Biel sowie Modezar Karl Lagerfeld auf der Couch Platz nehmen. Musikalisch sorgen die Rocker Lenny Kravitz und Meat Loaf für die richtige Unterhaltung.
Während die Saal-Wetten wie gewohnt von TV-Beauty Michelle Hunziker moderiert werden, kommt die Außenwette aus dem österreichischen Ischgl und wird von Comedian Olli Dittrich präsentiert. Wann die Sendung in etwa enden wird, weiß wohl noch nicht einmal der überziehungsfreundliche Gottschalk selbst. Doch wer dann immer noch nicht genug hat, kann sich im Anschluss an das nachfolgende "Aktuelle Sportstudio" auch noch die Best-of-Sendung "Top, die Wette gilt!" ansehen.
Seit neun Monaten läuft der Countdown: Gottschalk hatte im Februar dieses Jahres in der Jubiläumssendung zum 30-jährigen Bestehen von "Wetten, dass..?" in Halle angekündigt, dass er wegen des schweren Unfalls des Wettkandidaten Samuel Koch aufhören werde. Gottschalk erklärte, für ihn liege auf "Wetten, dass..?" jetzt ein Schatten, der es ihm schwer machen würde, "jemals wieder zu der guten Laune zurückzufinden", die das Publikum von ihm zu Recht erwarte. Bis zu diesem fatalen 4. Dezember 2010 - der 23-jährige Student Samuel Koch wollte mit Sprungfedern unter den Füßen über ein fahrendes Auto springen, stürzte, verletzte sich die Wirbelsäule und ist seither vom Hals abwärts gelähmt - hatte für Gottschalk "Ende offen" gegolten. Er werde so lange Moderator bleiben, wie es "Wetten, dass..?" gibt, hatte er bis dahin gesagt.
"Mein Ehrgeiz ist es, 'Wetten, dass..?' als Europas größte Unterhaltungsshow zu halten", sagte er einmal. Dieses Ziel hat er erreicht, auch wenn sich die Einschaltquote seit seinen Anfängen von fast 21 Millionen im Jahr 1987 auf rund zehn Millionen im November 2011 halbiert hat. Gottschalks schlechtester Wert war im Februar 2010 mit 7,8 Millionen Zuschauern. Die gesunkene Quote löste immer wieder Diskussionen aus, ob die Show noch zeitgemäß sei. Gottschalk jedoch fand es "absurd, wenn ich mich vielleicht vor zehn Millionen fürchten müsste, wo sich andere bei zwei Millionen in den Armen liegen".
"Wetten, dass..?" wurde von Frank Elstner erfunden, der die Show selbst 39 Mal präsentierte und bis heute den Quotenrekord vom Februar 1985 mit 23,42 Millionen Zuschauern hält. Gottschalk übernahm am 26. September 1987 und verabschiedete sich wieder am 2. Mai 1992, um bei RTL eine Late-Night-Sendung zu etablieren. Doch am 15. Januar 1994 kehrte er zu "Wetten, dass..?" zurück, sein Nachfolger Wolfgang Lippert musste nach neun Sendungen schon wieder gehen.
Das ZDF-Unterhaltungsflaggschiff hat mit einigen Renovierungen die Nase im Konkurrenzkampf vorn behalten. Seit dem 3. Oktober 2009 ist die junge Michelle Hunziker als Co-Moderatorin dabei. Die Schweizerin hatte im April 2010 der Zeitschrift "TV Movie" über Thomas Gottschalk gesagt: "Ich wünsche mir und ihm, dass er 'Wetten, dass...?' bis zu seinem 100. Geburtstag moderiert. Denn ohne Thomas kann und wird es die Sendung nicht mehr geben." Diese Prognose ist nach dem heutigen Stand der Dinge falsch. Das ZDF hat angekündigt, dass die Show weitergeht. Ob dann auch noch Michelle Hunziker dabei ist, ist derzeit offen. Nach Medienberichten will das ZDF sie halten. Der Sender will die Nachfolgeentscheidung frühestens Anfang nächsten Jahres bekannt geben.
Begründet wird der Zeitpunkt auch damit, dass man sich aus Respekt vor der Leistung Gottschalks zurückhalte. Der Moderator mit dem "ewig jungen" Erscheinungsbild hat sich längst in der TV-Geschichte einen herausragenden Platz gesichert. Zwar gibt es immer noch Verrisse seiner Sendungen in den Medien, aber nach der Ankündigung seines Abschieds waren die Lobeshymnen einhellig, und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" adelte Gottschalk sogar als den "Bundespräsidenten der Fernsehrepublik Deutschland".
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