28.10.2009, 10:35 Uhr
A. (Willem Dafoe) verliert den Bezug zur Realität. (Foto: NFP)A. (Willem Dafoe) ist ein amerikanischer Filmemacher mit griechischen Wurzeln. Seine Familiengeschichte ist bewegend und vor allem eines: filmreif. Er begibt sich auf eine Reise durch die Zeit, erweckt die Vergangenheit zum Leben. Seine Eltern lernen sich an einem Fluss in Griechenland kennen, nicht weit von Thessaloniki entfernt. Sie tanzen und spüren sogleich, dass sie sehr viel verbindet. Vorerst scheint es kein Morgen zu geben, und das Paar genießt die Zeit im Hier und Jetzt. Doch diese wundervolle Liebe zwischen Spyros (Michel Piccoli) und Eleni (Irène Jacob) bleibt nicht lange schwerelos. Ungewollt verlieren sie sich aus den Augen. Aus politischen Gründen wird Eleni verhaftet. Spyros setzt alles in Bewegung sie zu finden. In einem verschneiten Kasachstan kann er sie nach drei unerträglichen Jahren Suche endlich wieder in die Arme schließen. Es ist 1953 und Stalins Todestag. Die sowjetische Polizei ist ihnen bereits auf den Fersen. Schließlich wird das Paar festgenommen und erneut getrennt. Eleni wird nach Sibirien verfrachtet, und Spyros bahnt sich einen Weg in die USA...
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Foto-Show "The Dust of Time"
Ein Wiedersehen in Berlin: Spyros (Michel Piccoli), Eleni (Irène Jacob) und Jacob (Bruno Ganz). (Foto: NFP)Das leidenschaftliche Wiedersehen in Kasachstan bleibt nicht folgenlos: Eleni schenkt ihrem Sohn A. das Leben. Doch sie muss eine lange Zeit im Exil verbringen - ohne A. Es vergehen 20 Jahre. Endlich kann Eleni nach Amerika reisen, genau zur Zeit der Watergate-Affäre. In New York trifft sie auf Spyros, der sie nie vergessen konnte. An seiner Seite lebt eine andere Frau, doch für seine große Liebe Eleni verlässt er sie. 1989 führt sie der Strudel ihres Lebens nach Berlin. Der Fall der Mauer steht bevor, und Eleni und Spyros wollen ihren Sohn A. dort wieder treffen. Unverhofft begegnet Eleni ihrem besten Freund Jacob (Bruno Ganz). Er hat sie immer geliebt, sie konnte seine Gefühle nicht erwidern. Zudem lernt Eleni ihre Enkeltochter Eleni (Tiziana Pfiffner) kennen. Das Kind fühlt sich in dieser Welt verloren und entschließt sich dazu, ihrem Leben ein Ende zu bereiten. In letzter Sekunde kann Großmutter Eleni sie retten, dieser Vorfall indes bringt einen gewaltigen Stein ins Rollen. Die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschwimmen zunehmend, und A. selbst weiß bald nicht mehr, wo er steht...
A. (Willem Dafoe) verliert den Bezug zur Realität. (Foto: NFP)Regisseur und Drehbuchautor Theo Angelopoulos ("Die Erde weint") liebt Mythen und tiefsinnige Filme. Gerade politische Geschehnisse werden oftmals zu wichtigen Eckpfeilern seiner Werke. Sein Drama führt durch eine bewegende Zeitgeschichte, in der Einzelschicksale mit weltgeschichtlichen Themen verwoben werden. Der griechische Filmemacher greift in die eigene Erinnerungskiste. Im Jahre 1940 heulten in Athen regelmäßig die Sirenen auf. Die Szenarien in seiner Heimatstadt brannten sich in sein Gedächtnis und richteten Angelopoulos' Blick aufs Weltgeschehen. Neben hochkarätigen Darstellern wie Willem Dafoe ("Paris, je t'aime", „Spider-Man"), Michel Piccoli ("Das große Fressen") und Christiane Paul ("Die Welle") machte sich auch eine großartige Komponistin an die Arbeit. Eleni Karaindrou ist aus Angelopoulos' Filmen nicht mehr wegzudenken. Die beiden Visionäre verbindet eine tiefe Freundschaft. Flächige und tragende Klänge unterstreichen eine packende Geschichte, die wohl kaum im Staub ersticken wird.
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